8. Bericht
Fotos
22.03.2006
Hallo alle ihr Lieben daheim
Wir hoffen die Zeit verfliegt bei euch auch so schnell wie bei uns....
Nun wartet die Carretera Austral auf uns. Die berühmte Strasse die
Südchile mit der Welt ... verbindet. Die Grenzstation ist eigentlich
winzig und alles sehr schnell erledigt. Nun fahren wir nahe dem
zweitgrössten See von Südamerika entlang, Klippen hoch und runter,
Kurven, eng, aber eine traumhafte Aussicht. Das Wasser ist tiefblau, wie
eine künstliche Leinwand und die Felder und Bäume grün, grüner am
grünsten. Auf der Argentinischen Seite nennt sich der See Lago Buenos
Aires und in Chile nennen sie ihn Gral Carretera, das geht ja natürlich
nicht mit nur einem Namen....
Uns erschien es schwierig an der Carretera Austral Schlafplätze zu
finden, links und rechts ist alles eingezäunt. Dafür sind die Matten
noch richtig natürlich und mager, mit vielen verschiedenen Blumen, die
Scheunen aus Holz und teilweise Schürli fast am verfallen, Kühe am
weiden, es wird geholzt – uns erscheint es, als ob hier die Zeit
stillstehen würde! Als sogar ein Ochsenfuhrwerk die Strasse entlang kam,
waren wir uns sicher!!
Unsere gute Tat des Tages war anstrengend, für den Landy...und wir
waren zurück im Alltag. So schleppten wir Pedro Gonzales (finde ich
einen tollen Namen) mit seinem Viehlieferwagen die glitschigen
Steilhänge hoch, er war von uns begeistert und meinte wir seien von der
Rally Gruppe....und der Dämpfer knallt....wir verlieren einen Gummi, den
Mario fachmännisch vor dem Nachtessen reparierte. Wir befanden uns auf
einer Nebenstrasse, die zu mehreren Seen führen sollte....aber im Wald
ist es ja auch schön! Unendlich fahren wir über Stock und Stein, bis wir
zu den Wasserfällen von Puerto Ibanez kommen und uns wieder auf der
Carretera Austral befanden.
In Coihaique besuchen wir den Baumarkt, wir planen schon länger einen
Umbau. Genauer hätten wir gerne einen Bank, den man einfacher in ein
Bett umwandeln könnte und ein Geheimfach und, na ja, es fällt uns noch
viel ein. So schauen wir uns das Angebot an und Mario freut sich, es ist
alles zu haben.
Neben einer
Baustelle finden wir einen versteckten Schlafplatz und werden mit Mücken
beglückt! Zum verrückt werden... Am Morgen sehe ich aus wie Julie nach
Bienenstichen...das ganze Auge zugeschwollen, wow, habe ich gute Laune!!
So gifte ich den ganzen Tag, bis auch Mario so richtig sauer wird und
wir gar nichts mehr unternahmen, weder die Wanderung zum Gletscher noch
Kuchenessen in Puyahupi!! Wir schweigen uns noch etwas an und
übernachten im schönen Ort Futaleufù auf dem Camping. Zur Feier des
Tages ;-) kaufen wir uns, in der bisher unangenehmsten Metzgerei ein
Stück Fleisch und schliessen wieder Frieden. Hier gibt es diverse Kajak
Anbieter, von Anfängern bis Fortgeschrittenen, mich gluschtet es, die
Flüsse sind hier so wunderschön, doch wir lassen es, denn wir möchten
gerne ds Pädi Griessen treffen, das ist uns wichtiger.
An der chilenischen Grenze schafften wir einen neuen Rekord, keine fünf
Minuten und alles erledigt, dafür nahmen es die Argentinier genauer! 1 ½
Stunden! Die Landschaft verändert sich sehr schnell, von den üppigen
Weiden, Flüssen und Wäldern sind wir nun wieder in der Steppe, flaches,
dürres Land und Wind. In Trevelin, ein Walser Dorf, wollten wir das
Afternoontea zu uns nehmen, aber unglaublich, alle Teehäuser waren
geschlossen. So genoss der Landy die tolle Asphaltstrasse bis Esquel.
Hier informierten wir uns im Touribüro über die Gegend und übernachteten
auf dem Camping mitten in der Stadt. Mit Stromanschluss ordneten wir
unsere Fotos, führten Buchhaltung nach und schrieben endlich
Reiseberichte.... Schrieben fleissig e-mails und verbrachten
dementsprechend viel Zeit im Internetcafe! Nach all der „harten“ Arbeit,
und da wir uns langsam aber sicher von Patagonien entfernen, gönnten wir
uns noch einmal ein herrliches ¼ Cordero Patagonico vom Grilleur Mario
mit einer guten Flasche Wein und viel Salat.
(Bärbi u Igi,
wenn wir heimkommen, bitte ein Lämmlein bereithalten...!!)
Duschen und weiter nach El Bolson, das Hippi Dorf von
Argentinien, von Hippis haben wir nicht viel gesehen, aber umso mehr
Touristen, das Dorf war vollgestopft und ein Camping neben dem anderen.
Wir besuchten kurz den gepflegten Camping Aldea Suiza, sie ist Bernerin
und lebt seit 24 Jahren hier, zwei Monate haben sie Saison, kurz und
heftig! Aber das sollte dann fürs ganze Jahr reichen....
Leider waren
wir zu spät dran, um noch den Perito Moreno Berg zu besteigen und da
Mario sein Knie schmerzt, liessen wir es bleiben. Nur noch weg aus dem
Getümmel, das werden wir dann in Bariloche noch genug haben...
Am Rio Foyel finden wir einen ruhigen Schlafplatz, es sind unterdessen
unbarmherzige 30 und mehr Grad Celsius...schwitz, schwitz! So wohltuend
ist ein kühlendes Fussbad im Fluss! Wir sind nun im Gebiet von San
Carlos de Bariloche, die Schweiz von Argentinien – Wälder, Hügel, Berge,
Flüsse, Seen, grüne Matten, Skigebiet, Schokolade.... und überall an den
Seen das NO ACAMPAR Schild.....dabei gäbe es soo schöne Plätze! Nicht
verzagen und die Einheimischen fragen...in einem Kiosco kaufen wir Brot
und Bier und erkundigen uns ganz lieb nach freien Campingplätzen in der
Gegend! Denn die Argentinier feiern am liebsten in der Natur. Wir
strapazieren unseren Landy, die Strasse zum Lago Guillermo ähnelt einem
Flussbett, und werden mit einem tollen Schlafplatz am See mit Bäumen
belohnt. Und sie kommen....weil gerade Wochenende ist, dröhnen drei
Radioanlagen, jede lauter, bis in die Morgenstunden um die
Wette....Argentinier feiern!! Davon abgesehen, dass wir in einem
Naturschutzgebiet sind, sind die Feuer beeindruckend.... trotz allem,
wir erholen uns, Mario plant und zeichnet und ich bade!
Und wir treffen ds Pädi Griessen auf dem Parkplatz in Bariloche. Ein
bärtiger Biker flitzt um die Ecke und ruft Suiza....die Freude ist
riesengross, wir drücken uns und reden, es gibt viel zu erzählen.
Einkaufen und mit dem Taxi zum Landy zurück und im Camping Selva Negra,
ca. 3 km ausserhalb der Stadt, richten wir uns ein. Wir feiern und
lachen und lernen eine Chilenische Familie kennen(mit drei Töchtern,
ledig) der Vater setzte eine nebens Pädi und eine neben mich, er hofft
sicher, dass er eine los wird ?! aber neben mir zur linken sitzt ja
Steff da wird schon mal nichts und Pädi hat ja auch eine Freundin. So
trinken wir noch 2 Flaschen Wein. Etwas Katerstimmung am Morgen, Pädi
lockt uns mit einem kräftigen „Senne stöhht uuuf“ zum Zelt runter, wir
stehen gerne auf und freuen uns über den Besuch. Einmal mehr haben wir
keinen Plan (kopiert von nww) aber das wird sich schon richten! Pädi hat
stolze 2000 km und zig Höhenmeter geschafft und darf ruhig etwas mit uns
Ferien machen....
Pädi will
noch Kleider waschen und so können wir mit der chilenischen Familie nach
Bariloche ins Zentrum fahren. Pädi sitzt nun zwischen 2 Frauen und ich
.. Links Tochter rechts Steff, ja, ja, das Leben ist hart.
Wir
spazieren durch Bariloche, sitzen in Restaurants, plaudern und essen
feine Schokolade.....emel ds Pädi und Stephanie!! Als Verdauung laufen
wir zum Camping!
Papalagi,
das Velo vom Pädi wird aufs Dach gebunden und so fahren wir weiter. In
San Martin de los Andes schliessen wir bei San Cristobal die
Haftpflichtversicherung ab und Mario verteilt Taschengeld....damit wir
Süssen Schokolade kaufen können...verpülfern natürlich alles und so zum
krönenden Abschluss darfs noch ein kleines Glässi sein....von wegen
klein! Drei Kugeln!
Mit der tollen Aussicht zum Vulkan Lanin (3717 MüM) grillen wir und
Pädi schnetzelt für uns alle einen feinen Fruchtsalat...den ich leider
in der Nacht zum kotzen fand!! Gönnte den Herren keine Nachtruhe, denn
mein Magen spielte verrückt, war mühsam immer vom Zelt runterzuklettern
und ich kam nicht so weit!!! denn wenn es raus muss, muss es raus!
Eine kleine
Wanderung darf schon sein, so steigen wir zum Aussichtspunkt hoch und
bestaunen den Vulkan Lanin und die Umgebung. Wir wechseln nach Chile und
werden an der Grenze vom SAG Mann (Lebensmittelkontrolle) so richtig
auseinandergenommen. Ganzes Auto ausladen und jede Kiste und Tasche
wurde genau untersucht! Schade, schade leider fand er nichts und so
musste er uns unseren Holztussel abnehmen, den wir schon seit Ushuaia
dabei hatten!! ..so sind wir etwas später dran und finden natürlich
keinen Schlafplatz - wir werden alle etwas mudrig! Bei den Termas San
Luis dürfen wir auf dem Parkplatz bleiben und gönnen uns ein heisses Bad
mit Schlammpackung....alles wieder gut.
Wir packen, denn ds Pädi hat sich „bereiterklärt“ ;-)) die Gitarre mit
Heim zu nehmen und sonst noch so Sächeli. Merci vielmal! In Pucon kaufen
wir sein Busticket nach Santiago und plöischle am Strand vom Lago
Villarrica. Dann hiess es schon Ade sagen, wir bringen ds Pädi in Temuco
auf den Busbahnhof und trennen uns mit feuchten Augen – es war genial.
Uns ruft der Pazifik. Ein herrlicher Platz direkt am Strand im Tosen der
gewaltigen Wellen. Der Pazifik ist wilder und stürmischer, als der
Atlantik – aber die Sonne geht im Meer unter...so gibt es wunderschöne
Fotos, denn abends sind wir ja immer wach und munter....!!
Zu Marios Geburtstag fahren wir um den Lago Lanalhue, abenteuerlich!
Forstweg und eng, dicht bewachsen mit Bäumen, die wir hochheben
mussten...wird ja nicht gerotzt und verwüstet! Verfahren ist auch dabei
und wählerisch beim Schlafplatz suchen sind wir auch schon.....so
verbringen wir den Abend am Strassenrand im Wald, gemütlich bei Fondue
und Wein.
Feliz cumpleano Mario.
Bereits am Mittag, bei strahlendem Sonnenschein, finden
wir einen traumhaften Strand am Pazifik. Wir gehen stundenlang laufen,
beobachten Vögel und geniessen das Getobe des Meeres. Die Kühe kommen
und fressen Seegras, fast wie in Goa! Mario verfeinert die Umbaupläne
und wir hoffen auf Hede und Luis in Los Angeles – nicht Amerika, gibt es
auch in Chile!!, doch leider sind sie (noch?) nicht erreichbar.
Auf dem
Camping in Chivillingo duschen wir und Mario rasiert seinen Bart – ...!!
Es hat ein Schwimmbecken, Wanderwege und ein altes Wasserkraftwerk als
Museum.
Durch typische kleine Dörfer fahren wir Los Angeles entgegen. Wir sind
schon fast dort und übernachten wie die Clochards unter einer
Brücke.....aber mit Natelempfang! Nun sind wir da und anfangs Stadt hat
es den Baumarkt easy. Wir stiefelten ganze vier Stunden herum und
ergaben uns dem Kaufrausch! Der nette Holzmann schnitt uns unsere
Holzplatte auf die Masse und all die Schrauben, Nieten, Klavierband etc.
fanden wir auch. So stopften wir unseren Landy bis unter das Dach voll,
also innen schlafen würde sehr schwierig werden..... wir können die
Nummer schon auswendig! doch Hede und Luis antworten nicht, ...suchen
wir uns ein Camping und bauen dort...... Da uns noch Alu, Schaumstoff
und Stoff fehlt, bleiben wir noch in Los Angeles und dürfen auf der
Copec Tankstelle im Zelt übernachten. Die nette Frau aus dem
Touristeninfo empfiehlt uns ein Möbelhaus mit Schaumstoff, dort nennen
sie uns eine Schneiderin, die sagt wo man Stoff und Reissverschlüsse
kaufen kann, im Alugeschäft chauffiert uns ein Kunde zum
Schreiner...alles lief wie am Schnürchen. Hilfsbereite, nette Menschen –
so kann der Umbau nur erfolgreich enden. Übrigens, der Schreiner
arbeitete eine Stunde und wir bezahlten Fr. 7.50!!
Meine Lieben, das Tüpfchen aufs i, denn Hede und Luis meldeten sich und
wir durften zu ihnen auf die Fondo San Luis fahren und umbauen.
Eine
unvergessliche Zeit.
Wir
schrauben, schleifen, streichen, werden fürstlich verpflegt und
geniessen die Gesellschaft von lieben Menschen. Seit langem haben wir
„unser“ Badezimmer, den super Luxus von Trinkwasser direkt ab dem
Wasserhahn. Herrlich. Wir unterhalten uns köstlich ab den tollen
Geschichten aus der Kriegszeit, den vielen Reisen und unterschiedlichen
Menschen und Kulturen, lachen viel, trinken Pisco, gehen ins Stubenkino,
fahren über das Anwesen von 700 Hektaren und stellen alle möglichen
Fragen, fahren zum Einkaufen, dürfen beim Arbeiter Asado dabei sein,
lesen Beeren und kochen Gonfi..... Vielen herzlichen Dank euch beiden
für die wunderbare Gastfreundschaft, wir genossen jeden Augenblick und
wünschen euch von Herzen alles Gute.
So schön es hier auch ist, langsam kommt das Reisekrippeln im
Magen.....die Neugier, was um die Ecke ist.....und, ob sich unser Umbau
bewährt!
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